Sonntag, 28. Oktober 2012

Allerleirauh(reif)


Heute früh zeigte das Thermometer fünf Grad minus. Das ist schon ein bisschen ungewöhnlich für Oktober, schließlich haben wir hier eigentlich Seeklima. Und weil die letzte Woche doch ein bisschen turbulent war, habe ich die Bonusstunde heute früh auf unserem Friedhof verbracht - mit Innehalten. Denn dort war alles ganz und gar vom Rauhreif verzaubert. Aber auch wirklich nur diese eine Stunde, denn danach hat die Sonne sofort alles weggeschleckt. Ab morgen ist dann jedenfalls das Seeklima zurück - mit viel Regen und starkem Wind.





Esplanaden i rimfrost

I går var vädret bitande kallt
nen idag bär vinden mildare bud;
vartän jag ser, står överallt
träden i rimfrostskrud.

På fästet bleknar stjärnornas glans
då morgonrodnaden ökar.
Och från skorstenspipornas mörka krans
står lilafärgade rökar.

Nu stiger i öster solens klot
och strör guld på molnens kanter.
Och drivans snö invid min fot
gnistrar av diamanter.

Som glimmande guld lyser fönsternas rad
då ljuset på rutorna faller.
Och det står kring den frostprydda esplanad
ett glittrande regn av kristaller.

O, rimfrostmorgon, dröj länge kvar!
Jag vill gå i ditt sagorike.
Jag skall minnas dig länge i kommande dar
som en vacker syn utan like.

Axel Lindholm (1979) 

I kyrktuppens hägn





Samstag, 27. Oktober 2012

Backsteine


Als ich im Sommer in Berlin war, habe ich in einem Buchladen in einer Ramschkiste einen Stockholm-Reiseführer ausgegraben und mitgenommen. Da wusste ich ja schon, dass wir im Herbst eine Woche dort verbringen würden. Wie gut, dass ich damals nicht mehr Geld dafür ausgegeben habe. Nicht ein einziges Mal habe ich in das Buch reingeschaut. Eine ganze Woche lang haben wir uns immer nur spontan was einfallen lassen, wir sind von Freunden eingeladen worden oder haben uns selbst woanders eingeladen. Und den Rest haben die tüchtigen Stadtführer von www.geocaching.com erledigt. Mit denen kommt man nämlich mit schlafwandlerischer Sicherheit an Orte, die garantiert in keinem Reiseführer verzeichnet sind. Aber für spätere Stockholms-Besuche habe ich mir nun auf jeden Fall Stefanies Tipp notiert, denn dieses Buch ist sicher ein Stadtführer ganz nach meinem Geschmack. :-)






Unter der Woche hatte ich überhaupt keine Zeit für die Bloggerei, denn vormittags habe ich immer ein paar Stündchen gearbeitet, nachmittags haben wir Ausflüge gemacht und abends habe ich Herrn Möwe im Konzerthaus abgeliefert und später wieder abgeholt. Während er den 16 verschiedenen Beethoven-Streichquartetten gelauscht hat, war ich in der Stadt unterwegs, um Schätze zu heben oder geologisch interessante Plätze zu besuchen, die ausnahmslos alle was mit der letzten Eiszeit zu tun hatten. Nun aber ein bisschen der Reihe nach:

Am Montag waren wir in einem Naturreservat, über das ich schon oft etwas in der Zeitschrift der Naturschützer gelesen habe. Dort gibt es breite Wanderwege, die auch für Kinderwagen, Rollstühle und Herrn Möwe ganz prima geeignet sind. Beinahe hätte ich ihn sogar zum Schatzsuchen mitgenommen, aber dann war der letzte halbe Kilometer doch ein recht steiler Wurzelsteig mit vielen rutschigen Stellen. Nach der Wanderung sind wir bei alten Freunden in Skarpnäck eingekehrt. Es ist der Neffe des ehemaligen Kindermädchens von Herrn Möwes Exfrau, ja ja, Verbindungen gibt's... Dieser Neffe hat seine Wurzeln in einem kleinen Dorf in Jämtland und er ist mit einer deutschen Frau verheiratet. Wir sind uns alle herzlich zugetan und haben uns immer viel zu erzählen, so dass die Stunden wie im Fluge vergehen.

Außer diesen Gesprächen und den schönen Wanderwegen habe ich von diesem Montag noch etwas anderes mitgenommen: Die Eindrücke von einer merkwürdigen Kirche nämlich. Ich bin eigentlich überhaupt nicht so Kunstgeschichte- oder Architektur-versessen, aber als wir zufällig an der Markuskirche in Björkhagen vorbeikamen, da hat irgendwas in mir plötzlich "Aha!" und "Oho!" gesagt, und ich wollte mehr über dieses Gebäude wissen. Herr Möwe, der ja nur noch Schatten sieht, hat gefragt, wie sie denn ausschaut, diese Kirche, die so überraschend mein Interesse geweckt hat. Etwa wie die Gedächtniskirche in Berlin? Nee, habe ich gesagt, sie erinnert mich eher an den Skogskyrkogården in Stockholm. Auf einem Schild habe ich dann gelesen, dass diese Kirche tatsächlich von einem der Friedhofs-Architekten geschaffen wurde. Sie ist komplett gemauert und beim Bau durfte nicht ein einziger Ziegelstein zerteilt werden.

Später bei unseren Freunden haben wir dann noch eine Weile über diese Kirche gesprochen, denn die beiden haben dort längere Zeit im Kirchenchor gesungen. "Sie wirkt ein bisschen düster", sagte der Herr des Hauses, ein sonst eher nüchterner Ingenieur. "Aber wenn dann im Frühling die Birken so kleine grüne Mausohren bekommen und man sitzt in der Kirche an einer bestimmten Stelle, dann sieht man durch die langen Fenster nur die weißen Stämme und die kleinen hellgrünen Blätter - und das ist einfach ein sehr ganz herrlicher Anblick."






Nu är Stockholmsveckan över, Beethovens samtliga stråkkvartetter är färdigt spelade och vi är på väg hem igen. Herr Mås svävar fortfarande på något moln och är inte riktigt nåbar... Dagarna har varit fullspäckade av olika fina utflykter och trevliga möten, och en massa nya intryck håller på att virvla omkring i mitt lilla huvud - och nu behöver jag lite tid för att smälta allting. Jag skulle inte vilja bo i Stockholm, nej, det är för många människor och många av dem tycks ha så bråttom och dessutom är det för långt till öppna havet, men att vistas där en vecka, det var verkligen spännande och givande.

I måndags upptäckte jag till exempel en kyrka som väckte mitt intresse på ett märkligt sätt. Det måste bero på alla dessa tegelstenar... Tegelbyggnader tilltalar mig i största allmänhet som jag redan berättade i olika sammanhang. Det är ju bränd lera, något som man använder mycket i trakten där jag har mina rötter. Och när man byggde den där speciella kyrkan fick inte en enda tegelsten delas, läste jag, och hela den stora byggnaden murades för hand precis som för några hundra år sedan. Våra vänner i Skarpnäck sjöng i kyrkokören under en längre period och även de har ett speciellt förhållande till denna kyrka. "Det verkar vara rätt mörkt därinne, men sitter du på rätt plats kan du se björkarna med sina vita stammar genom de långa fönstren och får de musöron på våren, då finns det nästan inget vackrare än att få titta på dem under en gudstjänst..."







 Am Montag war noch Herbst, 
dann aber kam plötzlich der Winter...



Jeden Tag ein Spaziergang in der Natur und fast jeden Tag 
 ein Konzert - Herr Möwe ist (beinahe) wunschlos glücklich. 
(20 Grad wärmer, und es wäre für ihn perfekt.)



Både i Nackareservatet och utanför Markuskyrkan 
finns den vackra ormbuken strutbräken.


Sonntag, 21. Oktober 2012

Schnitzeljagd


Stell dir vor, einer sagt: Wir machen heute Schnitzeljagd. Und anstelle von Papierschnitzeln, da nehmen wir Herbstblätter... Hihi! Das wird lustig!




Wir haben für eine Woche das Basislager gewechselt, wohnen in der Hauptstadt in einem Hostel, ja, in genau dem gleichen, das wir im Sommer schon mit der Tochter und dem Lütten bewohnt haben. Nur, dass es diesmal keine Doppelstockbetten sind. Herr Möwe geht fast jeden Tag ins Konzert. Alle Streichquartette von Beethoven (es sind 16 Stück) werden gespielt, innerhalb von nur einer Woche. Hätte es länger gedauert, wären wir wohl nicht auf den Gedanken gekommen, für diese Zeit hier in der Hauptstadt zu wohnen.

Wenn Herr Möwe im Konzertsaal sitzt, treibe ich mich auf irgendeiner Insel rum. Stockholm ist eine Inselversammlung. Heute war ich auf Djurgården. Dort habe ich Schnitzeljagd gespielt. Mit Herbstblättern.






Höstsyrsan

Trots att dimman knappt vill lyfta
sig ur höstens knäckta säv
dröjer syrsan med att snyfta
om förgänglighetens väv.
Aldrig hon ditt sinne skrämmer,
ökar ej förgängelsen.
Med en glöd som ej förstämmer
sönderfaller sommaren.

Harry Martinson




Die lieben Ahörner. Auf die ist im Herbst immer Verlass.




Donnerstag, 18. Oktober 2012

Hejderidaren


Herr Möwe hatte gestern einen Termin bei einem Taxi-Unternehmen, das hier in Göteborg die Ausschreibung zum "Fahrdienst" gewonnen hat. Der "Fahrdienst" transportiert Leute mit "Fahrdienst"-Erlaubnis, also Leute mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, die nicht (mehr) oder nicht ohne Hilfe am öffentlichen Nahverkehr teilnehmen können. Herr Möwe hat auch eine solche Erlaubnis und ist außerdem von den Grünen aus im politischen Ausschuss für den "Fahrdienst".  Und eigentlich wäre er gestern auch mit dem "Fahrdienst" zu dem Taxi-Unternehmen gefahren, das die Ausschreibung für den "Fahrdienst" gewonnen hat, denn das Taxi-Unternehmen ist in einer Gegend, wo er sich nicht so gut auskennt. Dort, wo er sich gut auskennt, fährt er mit der Straßenbahn hin. Aber auch nur, wenn es hell ist. Im Winter fährt er also öfter mit dem "Fahrdienst" als im Sommer.

Nun hatte ich gestern Abend nix besseres vor und da bin ich einfach mit zu dem Taxi-Unternehmen gefahren, das die Ausschreibung für den "Fahrdienst" gewonnen hat, denn so brauchte Herr Möwe nicht mit dem "Fahrdienst" zu fahren, sondern wir konnten zusammen die Straßenbahn nehmen, was er viel lieber mag. Beim "Fahrdienst" werden nämlich oft mehrere Touren zusammengelegt und dann kann es vorkommen, dass man ziemlich lange unterwegs ist, und wenn das dann Umwege sind in hügelige Stadtteile mit vielen Kurven, dann wird Herrn Möwe immer schlecht im Auto. Er sieht ja vorher nicht, wenn es um eine Kurve geht oder wenn so ein Huckel kommt, der die Geschwindigkeit der Autos in den Wohngebieten bremsen soll.

Während Herr Möwe nun gestern mit den anderen Politikern bei dem Taxi-Unternehmen war, das die Ausschreibung zum "Fahrdienst" gewonnen hat, habe ich mich dort in der Gegend umgesehen, ich habe Hirtentäschel gepflückt und dann sogar noch einen Geocache geloggt, der schon mehr als elf Jahre alt ist. Dieser Cache liegt an einer Stelle, die man am besten mit dem Hubschrauber erreicht: ziemlich am Ende eines schmalen Grünstreifens zwischen der Autobahn und der Eisenbahn. Dieser Grünstreifen ist total mit Nesseln und anderem Stachelzeugs zugewachsen, aber an seinem Ende steht ein Grabstein, den niemand mehr besucht - außer hin und wieder ein verrückter Geocacher.





In dem Grab liegt ein legendärer Heidereiter, also eine Art Waldwächter aus dem 18. Jahrhundert, ein Beamter der Krone, der eigentlich auf Schmuggler und andere zwielichtige Gestalten im Wald achtgeben sollte, der aber in seiner Funktion als Waldwächter selbst einer der schlimmsten Schmuggler war zu seiner Zeit. Ach, ich mag es, an solche Stellen zu gelangen und irgendwo mitten im Gestrüpp solche herrlichen alten Stories zu lesen, entweder auf halb vergammelten und vergessenen Schildern oder auf der Internet-Seite, die zu einem Geocache gehört.

Heute war ich gleich noch einmal in der Gegend und habe eine noch viel ältere Grabstätte besucht. Wenn ich danach in das Stadtzentrum zurückkomme, um die Straßenbahn zu wechseln, dann fühle ich mich immer wie ein Außerirdischer...




Gestern begann es damit, dass man eigentlich nicht über diese Brücke gehen durfte. Anders kommt man aber nicht über die Autobahn. Eine Alternative wurde nicht angeboten. Aber weil auf dem Verbotsschild so ein lustiges Datum steht, habe ich mich einfach nicht daran gehalten.



Der Fuß- und Radweg...



 Und dann der Grabstein im Unkraut-Dschungel!

"Hierunter ruht 
der Heidereiter
Lars Swensson
Geboren 1756 Gestorben

 Gott habe ein Nachsehen mit mir Sünder"

(Die Todeszahl fehlt auf seinem Grabstein... Oh oh...)




Das Schild neben dem Grabstein.



 Später im "Wartezimmer" des Taxi-Unternehmens.


 * * *


Foto: KK
Wir sind aber auch schon viel netteren Schilder begegnet: 
"Der Himmelsweg ist geschlossen!
Folge den Hinweisen."



Geocaching handlar för min del inte om att räkna ihop plastburkar som jag redan lyckades hitta, utan det handlar om att komma till platser dit jag aldrig hade kommit annars, att uppleva saker som jag aldrig hade upplevt annars - och ibland om att träffa människor som jag aldrig hade träffat annars. Igår gick jag till en plats som inte alls är lätt att nå, dels för att det står konstiga skyltar i vägen just nu, dels för att det inte ens finns någon stig dit. Men att sedan vistas där, det känns ju spännande och givande och det har inte mycket gemensamt med de vanliga förnöjelserna som äger rum i shopping-palatsen, på friskis och svettis eller framför teve-rutan. Man känner sig lite som en upptäcksresande. Och man behöver inte alls resa långt...


Mittwoch, 17. Oktober 2012

Bestandig elska høsten


Text och musik: Kari Bremnes

Æ har bestandig elska høsten, sa ho fort
høsten e et drama, den har alt
åpninga med lyset gjennom løv,
så vakkert, det e dømt te å gå galt
Æ skulle gjerne vite ka de veit,
blarne der de heng i all sin prakt
veit de at de snart må sleppe taket
at de blir te jord i neste akt?

Jo, æ ser at det e heftig, sa han tørt
heftig og sånn passe dekadent
løvet lar sæ falle, blad for blad
tel treet står der nakent, himmelvendt
Høsten e en klassiker, sa ho
skjelvanes i svart og gull og rød
leve i en siste dans med sommer
også rett i bakken for å dø

Det å være eller ikkje, rett og slett,
heile dette rommes i en høst
sa ho og tok handa hannes hardt,
som om det va han som trengte trøst
Så du foretrekk tragedie, sa han
han spurte ikkje om det va et tegn
de hadde ikkje kjent kverandre lenge
de gikk en tur, ho sa ho likte regn






Immer schon den Herbst geliebt

Ich habe immer schon den Herbst geliebt, sagte sie schnell,
der Herbst ist ein Drama, der Herbst hat alles.
Die Eröffnung mit dem Licht, das durch das Laub dringt,
so schön, das muss ja schiefgehen.
Ich wüsste gerne, was sie wissen,
die Blätter, die in all ihrer Pracht noch hängen.
Wissen sie, das sie bald loslassen müssen,
dass sie zu Erde werden im nächsten Akt?

Ja, ich sehe, dass es heftig ist, sagte er trocken.
Heftig und ziemlich dekadent.
Das Laub lässt sich fallen, Blatt für Blatt,
bis der Baum nackt dasteht, himmelwärts.
Der Herbst ist ein Klassiker, sagte sie.
Zitternd in schwarz und gelb und rot.
Er lebt für einen letzten Tanz mit dem Sommer.
Danach fällt er zu Boden, um zu sterben.

Sein oder nicht sein, so einfach,
all dies hat der Herbst in sich,
sagte sie und nahm seine Hand fest in ihre,
als wenn er es sei, der Trost bräuchte.
Du ziehst also die Tragödie vor, sagte er.
Er fragte nicht, ob das ein Zeichen wäre.
Sie kannten sich noch nicht so lange.
Sie machten einen Spaziergang,
sie sagte, sie liebe den Regen.

Over en by - 2006 deutsche Übersetzung: Kari Losch







Sonntag, 14. Oktober 2012

Stadtbummel


Der Regen hat uns wieder. Aber heute stört er mich nicht. Gewandert bin ich gestern schon, da war es noch trocken, wenn auch etwas windig. Auf ein offensichtliches Kleinod sind wir da gestoßen, das ich unbedingt noch einmal ausführlicher besuchen muss. Heute habe ich dann lange geschlafen und ich bin noch vor dem eigentlichen Aufwachen beinahe mit einem dicken Buch erschlagen worden. Damit kann ich mich nun den ganzen Winter über beschäftigen - und für das nächste Jahr massenweise Ausflüge zu interessanten Stellen planen. Au ja! 

Und weil ich heute machen kann, was ich will, habe ich nach dem Frühstück meine Bausteine hervorgekramt - und dabei ganz und gar die Zeit vergessen...






Han som kungjorde väderprognosen igår fick ut sig ungefär det här: "Vädret under de närmaste dagarna kan bäst beskrivas med ett ord: höstrusk." Och för en gångs skull tycks prognosen stämma. Då tar jag fram leksakslådan min - som inte innehåller LEGO utan något mycket bättre, speciella byggklossar från Thüringen nämligen. Med dessa kan man bygga udda saker. Och sedan kan man promenera i en stad av äkta tegel och äkta ljus, medan höstrusket hukar utanför fönstret och gråter...



Igår upptäckte jag ett naturreservat som jag 
i alla fall måste besöka någon mera gång!


Freitag, 12. Oktober 2012

Die Farbe Rot


Als ich noch ein Wahl-Abonnement für mein Lieblingstheater am Berliner Schiffbauerdamm hatte, da ist es einmal vorgekommen, dass ich dreimal in die gleiche Vorstellung gegangen bin. Freilich jedes Mal mit einer anderen Begleitung, aber jedes Mal mit dem gleich großen Vergnügen. Das Programm hieß Die Farbe Rot und es war ein frivol-philosphischer Brecht-Abend, bei dem es vor allem um seine diversen Frauen ging.

Heute war ich nicht im Theater am Schiffbauerdamm, aber "Die Farbe Rot" ist trotzdem aufgeführt worden. Bei uns um die Ecke nämlich, im Freilichttheater:



Kennedygatan


Som skadestånd för det dåliga vädret under förra veckan fick vi nu strålande höstväder hela denna (arbets)vecka. Idag var jag ute mitt på dagen för att komplettera min kryptogam-samling. Och då var den framme, höstens vackraste färg, lite här och lite var:



Acer platanoides



 Vid Axlemossen



Eine der allerallerletzten...






Weich gefallen.



Vildkaprifolen blommar fortfarande!



Fridhemsgatan




* * *





Donnerstag, 11. Oktober 2012

Östersjölaget


Om vårt köksbord skulle jämföras med en teaterscen, då skulle scenarbetarna säkert strejka någon gång. Här ändras sceneriet flera gånger om dagen. Tidigt på morgonen är det kontor där dagens första pass avtjänas av databasadministratören i nattlinne. Morgonstund har guld i mund, sägs det. Sedan marscherar filmjölken fram, brödkorgen och sillburken. Datorn får vila under tiden på fönsterbrädan. På förmiddagen får den sedan sällskap av kursböckerna och bestämningslitteraturen, gärna blandat med lite skogsgrönsaker. Luppen är framme samt materiallådan från universitetet. Jag funderar på om jag borde skaffa ett mikroskop... Senare efter en liten promenad lagas och serveras dagens lunch och skogen och böckerna åker över till gästsängen, där det sällan finns plats för någon spontan gäst, fast det ringer ju inte någon på dörren heller och frågar... Efter lunchen öppnas kontoret en stund till och sedan är det dags att breda ut alla dessa bra-att-ha-saker för dagens lilla expedition. Slutligen bär det av mot moss-skogen eller till skattjakten...

Fast idag bröts detta mönster lite. Herr Mås, som tycker att jag är lite osällskaplig just nu med alla mina kurser och lavar och mossor och som dessutom tycker att det inte räcker med geocaching och måndagsbio som omväxling, han hade i alla fall skaffat biljetter till konserthuset. En after work konsert stod på programmet, något som vi inte varit på tidigare. I en after work konsert ingår det en symfoni, en maträtt och ett glas vin, plus gratis bevakad garderob om man nu har tur och en sponsrad biljett. Våra biljetter var i alla fall sponsrade, ingen aning av vem, och vi blev ju nästan skräckslagna när biljettriverskan plötsligt började springa iväg med våra kläder.

Måns Per Fogelberg, som är publikutvecklingsansvarig hos Göteborgs Symfoniker, meddelade före konserten att GSO precis idag fyllde 107 år. Och så skulle det vara en musiktävling efter konserten och förtäringen. För att tävla skulle man bilda lag och i varje lag fick det ingå högst en musiker från GSO. Herr Mås och jag bildade ett lag med en ung dansk kvinna från altfiolfraktionen, en mycket trevlig kvinna för övrigt. Vi kallade oss för Östersjölaget och vi kämpade hårt för att besvara alla tio frågorna rätt. Allt gick bra tills sista frågan kom. Det var en som vägde dubbelt, fast vi klarade bara hälften av nummer tio och fick på så sätt inte elva poäng utan bara tio. Fyra lag hade elva poäng, fast ett blev diskvalificerat, för de hade två musiker med. Och sedan satte Måns Per igång med utslagsfrågor och jag blev ju glad att vi inte hade lyckats med elva poäng. Vårt lag hade säkert skickat iväg mig för att svara. Huh, vad bra, att vi inte hade alla rätt.

Och just nu sitter jag vid köksbordet förstås och det är ännu inte dukat av efter kvällstéet...






Unser Küchentisch

Unser Küchentisch ist von IKEA und aus Buchenholz und er muss gerade eine ganze Menge aushalten. Zusätzlich zu den normalen Alltäglichkeiten wie Arbeit, Mahlzeiten, Studieren und den notwendigen Vorbereitungen für meine Geocaching-Aktivitäten, richte ich hier nun auch regelmäßig ein Botanik-Labor ein, und dann breite ich die Bestimmungsbücher aus und krümele mit gesammelten Flechten und Moosen herum. Morgen muss ich wieder eine Hausarbeit fertig haben. Letzten Freitag war es ein Aufsatz über die Fortbewegung bei Einzellern. Morgen ist der Bericht über meine Wald-Inventur dran. Ungefähr einen Hektar Wald mit möglichst drei verschiedenen Vegetationstypen sollten wir nach Moosen und Flechten untersuchen, so viele Arten wie möglich bestimmen und die Ausbreitung der einzelnen Arten abschätzen. Bisher habe ich 23 Moosarten und 15 Flechten identifiziert. Zwischen 35 und 50 Arten sollten es ungefähr sein.

Herr Möwe muss also die vorher abgesprochenen Öffnungszeiten der Küche respektieren und ich brubbele ihn auch schon mal an, wenn er mich wiederholt bei meiner hochwissenschaftlichen Arbeit stört und mir zum 100. Mal erzählt, dass ihm einer in einer Mail einen Gewinn von einer Million Dollar versprochen hat. Um mich aus meinem Labor zu locken, hat er deshalb für heute Konzertkarten besorgt. Es war eines von diesen After Work Konzerten. Ich war zuerst ein bisschen skeptisch. Serviert bekommt man eine Sinfonie, ein Essen und ein Glas Wein. Und hinterher ist dann auch noch Musikquiz. Aber dann wurde es ja doch noch ganz lustig. Für das Musikquiz musste man Mannschaften bilden. Herr Möwe und ich waren mit einer jungen Dänin im Team. Sie ist Bratschenspielerin dort im Sinfonieorchester. Wir haben uns gut unterhalten und viel gelacht. Sie hat zum Beispiel erzählt, dass man beim Casting für einen freien Platz im Orchester hinter einem Schirm spielen muss. So wird man also wirklich nur nach dem Spiel und nicht nach dem Aussehen, Geschlecht oder Alter bewertet. Obwohl wir fast alle Fragen richtig hatten, haben wir in dem Quiz natürlich nix gewonnen.

Und nun sitze ich wieder an unserem Küchentisch...







Samstag, 6. Oktober 2012

Uralte Schneckenhäuser


Die Bienen und die anderen kleinen Flugwesen merken sofort, wenn zu dieser Jahreszeit noch einmal ernsthaft die Sonne rauskommt und die Spät- und die Wiederblüher sofort großzügig ihre Öffnungszeiten anpassen. Dann gibt es kein Halten mehr - und die kleinen Flugwesen fliegen herum und summen geschäftig beim Besuchen der letzten Herbstblumen, fast als wäre es Frühling. Die Menschen sind in dieser Hinsicht sehr viel träger und unflexibler. Sie sagen: Es ist kalt im Schatten. Und sie sagen: Im Einkaufszentrum weht kein eisiger Wind. Und also gehen sie ins Einkaufszentrum. Die meisten jedenfalls.





Heute machen wir einen Ausflug mit der Eisenbahn, hat Herr Möwe beim Frühstück gesagt. Und also habe ich ordentlich Proviant eingepackt, denn Herr Möwe ist sehr Proviant-abhängig. Habe ich genug dabei, können wir weit laufen. Zu den großen Muschelkalkbergen wollte ich schon immer mal fahren und dorthin kommt man zum Glück auch ohne Auto, wenn man ein bisschen wandert - und wenn man genug Proviant eingepackt hat. Die Sonne hat uns jedenfalls den ganzen Tag nicht im Stich gelassen, eine schöne Geste nach dieser regenreichen Woche. Nur verwundert es mich immer wieder, wie wenige Menschen man trifft, dort draußen im Freien, auch bei schönem Wetter.






"Ohne Zweifel kann man die Muschelkalkbänke zu einem der größten Wunder in Bohuslän zählen; denn sie befinden sich auf dem Land an manchen Stellen sehr weit vom Meer.

Diese Muschelkalkbänke bestehen aus Schalen von Muscheln und Schnecken, die sich in einer so großen Menge gesammelt haben, daß man sich wundern kann, daß überhaupt so viele Leben in der Welt gelebt haben."

Carl von Linné 1746







"Skalbärgen räknas med rätta ibland ett av de största Bohusläns under; ty de ligga uppå landet, nästan hela quarten på somliga ställen ifrån hafvet.

Dessa Skalbärgen bestå av Snäcke- och Mussle-skal, som här äro samlade i den myckenhet, att man kan undra det så många lif lefwat i werlden."

Carl von Linné 1746




Grönländsk valthornsnäcka - 10.000 år gammal?






Aahh! Endlich habe ich den Rotklee auch mal 
in seiner echten Farbe auf ein Foto bekommen.
Ich mag diese Blumen sehr gern.



Donnerstag, 4. Oktober 2012

Regen


Diese Woche ist vier Tage alt und dreimal hat sie mich schon nass gemacht. Und das nicht nur ein bisschen, sondern ordentlich. Aber wenigstens sind immer die Füße trocken geblieben, das ist am wichtigsten, finde ich, und auch die Laune ist dabei nicht mit ertrunken. Nein, es hat gar nicht die ganze Woche geregnet, heute in der Mittagspause sind wir sogar in der Sonne am Fluss entlang spaziert, aber gegen Abend, wenn ich nochmal los bin, um mein Eigenes zu machen, da öffnete sich immer der Himmel. Aber es ist ja eigentlich nur eine Frage der Einstellung - und der Klamotten. Meine Einstellung zum Wetter ist sehr freimütig, in dieser Hinsicht halte ich wirklich eine ganze Menge aus, und das muss man wohl auch, wenn man hier an der schwedischen Westküste wohnt. Nur an den Klamotten könnte ich vielleicht noch ein bisschen tunen...



Here comes the rain again



Rapport från vettskrämd gångtrafikant

Rosslet
som från en döende
får mina nackhår
att resa sig.
Förskräckt
släpper jag förbi
den bakifrån kommande
joggaren.

Stefan Demert
Utsikt från en studsmatta



Viktigast är att man håller sig torr om fötterna, tycker jag. Tre gånger har jag redan blivit ganska genomsur denna vecka, fast fötterna klarade sig, och även humöret drunknade inte. Just nu är jag ute varje dag, för nu gäller det att inventera en till fem hektar skog för att identifiera så många moss- och lavarter som möjligt. Mitt moss-eldorado hittade jag uppe i Ängårdsbergen, i en liten undanskymd dal, där det inte finns rosslande joggare eller galna terrängcyklister. Och så kunde jag redan identifiera ganska många arter. Mossorna de små blir ju i alla fall glada efter allt regn...




Ich ging im Walde so für mich hin
und nichts zu suchen, das war mein Sinn...



Stimmt gar nicht! Ich suche andauernd irgendetwas. 
Verborgene Schätze... oder Moose und Flechten...
Heute habe ich hier im Wald auch das Rosenmoos gefunden!
 


Torte im Regen am Tag der Deutschen Einheit, hihi!

 

 Und dann komme ich heute nach Hause, ziemlich durchgeweicht, 
und da bewacht diese Riesenspinne unsere Haustür - huh!



Mittwoch, 3. Oktober 2012

Ner i mossan


"Olof Rudbeck den yngre gav sig på försommaren 1695 av på en resa upp till det norra skogsrikets marker och till fjällen. Han kom ända till Kvikkjokk och Torne träsk. Enligt sin egen memorial för lapplandsfarare var han klädd i pajrock av smorläder och bar vaxdukshatt. Han hade stövletter som räckte långt upp på benen och florshuva mot myggen. Trettiosju är senare gav sig Carl von Linné av till ungefär samma trakter. I den berömda skildringen av hur han genom försommargrönska och trastrop rider in i sitt livs största äventyr, glömmer han inte att berätta hur han var klädd. Piskperuken var med. Den var naturligtvis oundgänglig vid besök hos landshövdingar och prostar. Han hade skinnbyxor och rock av västgötatyg, en grön kapuschongliknande huvudbonad och stövelkängor. Om dessa stövlar skulle det bli mycket tal i resebeskrivningen. Han avundades samerna som lättfotade sprang på stövlar utan klack. Beväpnad var han förstås med en handbössa och härsvängare (ett kort jaktsvärd i gehäng).

Utrustningen var viktig att beskriva. Efterföljare skulle kunna dra nytta av persedellistan. Detta var resor till mycket främmande och exotiska platser, okända för de flesta människor. Man kunde inte vänta sig att få härbärge överallt. Långt senare beskrev Linné hur man reder sig en säng i skogen:

Mossa lämpar sig på alla sidor efter kroppen så att näppeligen dunbäddar kan förliknas med den. Så länge mossan är grön har den elasticitet som en fjäder, ja denna säng är så mjuk som den kosteligaste bolster. Inte heller behöver man frukta att av den bli smittad med ohyra eller någon vidhängande sjukdom. Den gröna mossan förtar allt stank och svett.

Ner i mossan, det var mottot när man kom ut i skogen. Ner för att söka rara örter, ofta sådana som man aldrig sett förut och som man ville bestämma och hänföra till ett släkte..."

Kerstin Ekman
Herrarna i skogen




Hier sind die Bilder von unserer Exkursion am Sonntag.
Auch die Fotos vom Samstag habe ich nochmal ergänzt.



Hinunter ins Moos

"Olof Rudbeck der Jüngere machte sich im Vorsommer 1695 zu einer Reise in die Gefilde des nördlichen Waldreichs und der Fjälls auf. Er kam bis Kvikkjokk und zum Torneträsk. Laut seines Itinerars für Lapplandfahrer trug er einen Überrock aus Fahlleder und einen Wachstuchhut. Außerdem Gamaschen, die weit das Bein hinaufreichten, und eine Florhaube gegen die Mücken. Siebenunddreißig Jahre später machte sich Carl von Linné in ungefähr dieselbe Gegend auf. In seiner berühmten Schilderung, wie er durch vorsommerliches Grün und Drosselrufe in das größte Abenteuer seines Lebens reitet, vergisst er nicht zu berichten, wie er gekleidet war. Die Zopfperücke durfte nicht fehlen. Sie war für Besuche bei Landeshauptleuten und Pröpsten unerlässlich. Er trug Lederhosen, einen Rock aus Västgötatuch, eine kapuzenähnliche Kopfbedeckung und hohe Schnürstiefel. Von diesen Stiefeln wird in der Reisebeschreibung oft die Rede sein. Er beneidete die Sami, die leichtfüßig in Stiefeln ohne Absatz herumliefen. Bewaffnet war er natürlich mit einer Handbüchse und einem Hirschfänger (einem kurzen Jagdschwert im Gehänge).

Die Ausrüstung zu beschreiben war wichtig. Nachfolger sollten aus der Ausstattungsliste Nutzen ziehen können. Es waren ja Reisen an fremde und exotische Orte, die den meisten Menschen unbekannt waren. Man durfte nicht erwarten, überall eine Herberge zu bekommen. Lange Zeit später beschrieb Linné, womit man sich ein Bett im Wald bereitet:

Moos schmiegt sich dem Körper auf allen Seiten an, und Daunenbetten sind kaum damit zu vergleichen. Solange das Moos grün ist, besitzt es die Elastizität einer Feder, ja, dieses Bett ist weich wie das kostbarste Plumeau. Auch braucht man nicht zu befürchten, dass ihm Ungeziefer oder eine ansteckende Krankheit anhaftet. Das grüne Moos nimmt jeglichen Gestank und Schweiß.

Hinunter ins Moos, so lautete das Motto, wenn man in den Wald kam. Hinunter, um seltene Kräuter zu suchen, oft solche, die man noch nie gesehen hatte und die man bestimmen und einer Gattung zuordnen wollte..."


Kerstin Ekman, Der Wald



Gleich am Montag habe ich dann den obligatorischen 
Moos-Test gemacht - und auf Anhieb bestanden! :-)