Mittwoch, 30. April 2014

Valborg - Goethe - Barlach


Här ska ni få gissa vilket kvinnonamn som gömmer sig i den här rebusen, för när jag skulle göra det i samband med en gåta i geocaching då lyckades jag nämligen inte. Att det är han med hästsvans som är finansminister, det fick jag ju fram trots att jag aldrig sett honom på tv eller i tidningen, för jag läser ingen tidning och jag tittar inte på tv. Man kan ju googla. Men sen då? Hur skulle man bilda ett namn ur hans hästsvans och ett röstkort? Jag fattade ingenting...

Igår blev jag äntligen upplyst om att det skulle heta Valborg. Då så. Finns det verkligen flickor i Sverige som heter Valborg? Jag trodde det är bara något man brukar fira. Idag till exempel. Men sedan läste jag om henne, hon som blev helgonförklarad den 1 maj 870. År 870... Det var ett tag sedan. Och nu är ju egentligen bara de dansande häxorna (i Tyskland) och de firande studenterna (i Sverige) kvar av det hela. Eller hur?




Heute am Valborgsmässoafton gibt es hier im ganzen Land ziemlich wilde Studentenfeste und in Göteborg veranstaltet vor allem die Technische Uni eine Art Karnevalsumzug, die sogenannte Chalmerscortège. Da wird ziemlich die Sau rausgelassen, habe ich mir sagenlassen. Aber selbst habe ich mir das noch nie angeguckt, genauso wenig wie ich bisher im weltberühmten Vergnügungspark auf Liseberg war. Das ist mir alles viel zu trubelig.

Da blättere ich lieber im guten alten Goethe und gucke mir Holzschnitte von Ernst Barlach dazu an. Außerdem steht - schon wieder! - ein prima langes Wochenende bevor, und da gibt es allerhand vorzubereiten. :-)







Dienstag, 29. April 2014

Und es war Sommer...


Das frische Birkengrün nimmt sich ausgesprochen gut aus hier im Norden zwischen den vielen dunklen Fichten, ja, der Kontrast ist irgendwie noch stärker als in den lichten Kiefernwäldern rund um Berlin. Alles ist explodiert in den letzten beiden Wochen, denn der Sommer hat schon mal einen Vorreiter geschickt, einen ziemlich heftigen, viel zu heftig für meinen Geschmack. An mehreren Tagen hatten wir jetzt sogar höhere Temperaturen als ihr dort unten in Westsibirien. Auf den Klippen an der See war in den letzten Tagen ausgesprochen viel (mehr oder weniger bleiche) Haut zu sehen und es roch nicht nur nach Tang und Meer, sondern auch immer wieder nach Sonnencreme.

Wir hatten jedoch keine Zeit auf der faulen Haut zu liegen und uns zu braten, denn wir haben mal wieder an so einer Saubermach-Aktion teilgenommen, die dieses Mal ausgerechnet dort auf den schattenlosen Sonnenklippen am Meer durchgeführt wurde. Puh, das war schon eine schweißtreibende Aktion! Besser war es da am Samstag, da waren wir vor allem im Wald, und beinahe wäre ich nach unserer langen Wanderung abends an einem Waldsee in einer seichten Bucht ins Wasser gehopst. Das war dann aber doch noch so kalt, dass es ordentlich gezwickt hat und ich habe mich mit einem erfrischenden Wadenzwicken begnügt.

Gestern bin ich nach der Arbeit nochmal allein ausgeritten, da war es knapp 20 Grad warm und nur wenig Wind, gerade richtig also für eine schöne Fahrradtour. Da habe ich ein geheimnisvolles Schiffswrack besucht, das in einem Sperrgebiet liegt, aber es kümmern sich nur wenige um die riesigen Verbotsschilder. Wow, wirklich eine spannende Exkursion!





När jag var barn då var vi varje år så mycket sugna på att äntligen få kunna gå i knästrumpor! Och att sitta på marken fick man ju egentligen bara göra i alla månader som inte innehåller ett "r". April innehåller ett "r", men i år går det jättebra både att gå i knästrumpor och att sitta på marken.


Samstag, 19. April 2014

Strålande påsk!


Klockan halv tio på morgonen gick elströmmen bort. Helt plötsligt. Konstigt nog fanns det någon kvar i kylskåpet. Det fungerade alltså fortfarande. Herr Mås sa att nu är det bara en fas kvar. Hur kan denna fas hitta kylskåpet av alla grejerna i lägenheten? Mer än två timmar tog det innan de andra faserna lyckades återhämta sig. Och detta på en påskafton då säkert många vill laga någon god mat.

Dör elströmmen så bekommer det mig inte så mycket. Jag har ju ett fältkök om det skulle knipa. Hihi, skulle vara roligt att koka en massa ägg ute på gården i campingkärlet. Men strömmen kom ju tillbaka innan det började knipa. Fast grannfrun blev ändå ganska orolig. Jag hade ju bjudit henne på ägg från fältköket i alla fall. Är det kris måste man hålla ihop.





Na, ihr denkt wahrscheinlich, wir hier am Nordpol huschen immer noch mit dicken Fellmützen durch die Gegend und die Sonne geht schon um fünf unter. Nee nee, völlige Fehlanzeige! Heute war richtiges Sommerwetter und Keri ist nachmittags sogar kurzärmelig auf Wolke Sieben durch das nun überall explodierende Grün geradelt. Ach, war dat scheen!


Freitag, 18. April 2014

Kulturschock?


Im Völkerkundemuseum in Berlin-Dahlem ist das Christentum gleich neben der Südsee. So war es jedenfalls, als die Kinder noch in die Grundschule gingen und wir manchmal dort waren, vor allem im Winter bei Schietwetter. Im Saal mit der Südsee gab es ein Südseeboot, auf dem man rumklettern konnte und eine große Südseehütte, in die man reingehen konnte, außerdem lustige Figuren mit riesigen fruchtbaren Körperteilen und breit grinsenden Gesichtern, aus Holz und bunt angemalt. Wenn wir dann die Südsee hinter uns ließen und durch den Saal mit dem Christentum zum Ausgang oder zum Café gingen, dann fragten die Kinder immer: Warum sehen denn hier alle so traurig aus? Und zum Rumklettern oder Reingehen gab es auch nix...

Heute haben die Christen ihren traurigsten Tag, und merkwürdigerweise will Herr Möwe immer an genau diesem Tag in eine Kirche gehen, um traurige Musik zu hören. Meistens ist es Pergolesis Stabat Mater, aber die konnte ich dieses Jahr in keiner der vielen Kirchen finden, und da geht es dann genauso gut mit Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, ein Werk, das - mit einer kurzen Ausnahme - nur aus langsamen Sätzen besteht. Ich finde aber, dass es Haydn ganz prima gelungen ist, weil man von der Musik nämlich gar nicht traurig wird, sondern nur ruhig und nachdenklich. Und wenn dann noch die Frühlingssonne abends durch die bunten Kirchenfenster in der kleinen Holzkirche scheint und ein schmucker junger Pfarrer in einem Fleecepullover im schönsten Göteborg-Dialekt die Jesu-Worte spricht, dann ist es fast wie in der Südsee... oder wie in einer ganz anderen Zeit.



Das Kirchlein damals...


Efter att jag läst "Simon och ekarna" tycker jag ännu mera att jag har hamnat i precis den stadsdel som passar mig bäst. Här finns ganska mycket kvar av det gamla och även människorna tycks inte ha förändrats mycket, politiskt menar jag, för här bor ju många som röster grönt eller vänster, ja, här är det faktiskt som grönast och vänstrigast i hela landet.

Idag satt vi i Landala kapell för att lyssna på Jesu sju ord på korset, ett väldigt vackert stycke, trots att det nästan uteslutligen består av långsamma satser, eller kanske är det därför det är så vackert? Kvällssolen sken genom de färggranna kyrkofönstren och en ung präst i fleecetröja läste de sju orden, i bred göteborgska. Efteråt visste jag inte riktigt i vilken tid jag befann mig. Men det räckte ju att komma ut ur kyrkan, för då visste jag...



... und heute. 


Dienstag, 15. April 2014

Hummelig


Herr Möwe hat es gerade nicht so leicht zu Hause, denn Keri hat den Frühlingskoller. Dieses Jahr ist es irgendwie besonders schlimm. Vielleicht liegt es daran, dass ich nun mein Bergfest schon hinter mir habe und das Gefühl, die Frühlinge kommen immer dichter. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir dieses Jahr keinen richtigen Winter hatten und dass der Frühling in diese Lücke in meinem Jahreszeitempfinden nun nicht reinwill und ein bisschen rumspinnt. Oder vielleicht sind es auch nur die (hoffentlich) letzten Auswirkungen meiner ganz privaten Klimaveränderungen, die mich sonst eigentlich ganz gut verschont haben, abgesehen von einem gelegentlichen Achterbahnfahren im Wohltemperiertsein... ja, und dieser diffusen Sehnsucht und Rastlosigkeit, die mich immer mal heimsucht. Wie gerade jetzt im Frühling.

Da ist mir der Alltag zuwider mit seinen vielen lästigen Kleinigkeiten und Pflichten und ich will irgendwo hin, weiß aber auch nicht richtig wo. Sehr gut gefallen hatte es mir letztens bei Kati im Studentenwohnheim. Dort hat jeder sein eigenes Zimmer, wo man schön für sich sein kann, und wenn man dann doch mal Lust auf andere Menschen hat, dann setzt man sich einfach in die gemeinsame Küche. Flausen... oder?

Da versuche ich mich zu "erden", mit einem Buch, das hier bei uns an der Flussmündung spielt. Das klappt ganz gut, denn das Buch ist fesselnd und das Milieu ähnelt dem in den Romanen meiner eigenen Jugend: Arbeiterfäuste, jüdische Intellektuelle, starke Frauen. Und hin und wieder überrede ich Herrn Möwe, bei den pensionierten Hafen- und Werftarbeitern Mittagessen zu gehen. Dann brauche ich erstens nicht zu kochen mit allem drum und dran, einkaufen und abwaschen und so, und zweitens kann ich ihnen lauschen, den pensionierten Proletariern, ihrer Sprache, ihren Gesprächen. Das "erdet" auch...

Und dann kriege ich Post von lieben Menschen, die ihn wohl irgendwie ahnen, meinen Frühlingskoller oder vielleicht sogar selbst etwas hummelig sind. Der Buch-Jo schickt mir ein Gedicht, ein selbstgemachtes. Der Mossegosse schickt mir ein Bild mit roten Häusern drauf und liebe Ostergrüße. Und die Welle von der Ostsee schickt mir Mut.

Alles wird gut. :-)


Und jetzt radle ich erstmal raus ans Meer.


* * *


Ibland går vi till Sandarnas Dagcentral för att äta lunch, antigen på en tisdag eller på en fredag, för då ligger det alltid någon fiskrätt på tallriken. En sådan dag slipper jag jobba i köket själv - och jag får dessutom uppleva riktiga gamla majgrabbar: sjöfartsfolk, hamn- eller varsarbetare, minst 70 år, ofta äldre. Då spetsar jag öronen för att snappa upp lite: hur de talar och vad de snackar om. För trots att det hänger en affisch om "iPad-rådgivning för seniorer" där i foajén, så talar de inte om appar eller om facebook. De pratar om maten, precis den som ligger på tallriken, om någons båt eller bil, om fotboll eller bandy, om fiske, om barnbarnen. Utöver varmrätten brukar de alltid äta knäckebröd och många av dem dricker mjölk. Och de pillar aldrig på någon pekskärm medan de talar med varandra.



Frohe Ostern!





an den frühling

dein wandel ist so mächtig..
so nimm mich mit und wandle mich
sei zauberer an mir
ich lieb das leben.. liebe dich

bis gestern hielt die eiche
die längstvergangnen blätter
kam da der frühlingssturm hernieder
bringt allem blühn sein großes wetter

und wie durch wunderzauber
seh ich sein blattgrün heut
komm leben ruft der täuber
und keine liebe.. nichts bereut

dein wandel ist so mächtig


joachim kohs

Freitag, 11. April 2014

Ymsen runt i tre dagar


Trots att det inte är riktigt varmt ännu, så har vi bestämt att NU har ute-säsongen definitivt börjat! Så vi tog tältet och hela kittet förra helgen och åkte till sjön Ymsen för att vandra där och geocacha. Geocaching-projektet var möjligen rätt så överdådigt, något som vi annars inte alls brukar göra: att plocka massvis med burkar under ganska kort tid. Men Ymsen-projektet klassificerades som ett stort undantag, en engångshändelse, egentligen bara för att känna hur det känns. Nu har vi i alla fall upplevt detta och det kommer vi inte att göra om. Men visst var det förstås roligt också för en gångs skull!





Viele bunte Stempel, blaue Blümchen und gelbe Smilies

Ja, auch wenn die Bäume immer noch keine richtigen Blätter haben und der Frühling mit Sonne und Wärme bisher etwas geizig ist, so haben wir auf jeden Fall die draußen-Saison schon mal eröffnet. Letztes Wochenende haben wir das grüne Zeltlein und alles eingepackt und sind an einen schönen See gefahren, um dort zu wandern, und um massenweise kleine Schätze zu suchen. Das machen wir normalerweise nicht, also dieses massenweise, aber dieses Mal war es eine Ausnahme. Außerdem hat es unsere Meinung bekräftigt, dass dieses massenweise nix für uns ist, und das muss man ja schließlich auch einmal ausprobiert haben.

(Die Bilder habe ich mit meiner Kinderkamera gemacht, weil ich irgendwie gedacht hatte, dass wir gar keine Zeit zum Fotografieren haben werden... 

Aber auch das war ein Trugschluss. Zeit zum Knipsen ist irgendwie immer - und Motive tauchen dann plötzlich auf wie Sand am Meer.)







Hihi, viele bunte Stempel in unserem Mutti-Heft!


Freitag, 4. April 2014

Hypnotized


Igår lyssnade vi på hela den stora h-mollmässan, detta besynnerliga, mångfacetterade och verkligen överväldigande verk, som jag faktiskt gillar mest av alla hans stora körverk. Den är som en lång resa förbi många väldigt olika platser, ibland går man barfota på vassa stenar, alldeles ensam i stekande sol, ibland i en sval bäck med sandbotten, kantad av skuggande träd, med någon i handen, sedan rusar man iväg på en fullblodshäst med vilt klappande hjärta tillsammans med många andra, och hela tiden är det något andligt med, något som inte går att gripa, men som gör att man inte tappar modet...

För att komma hem efteråt åker vi spårvagn och där på vagnen sitter vi alltid längst fram för där finns ju de markerade platserna för handikappade, och folk springer iväg direkt när Herr Mås dyker upp med sin vita käpp. Vagnen körs på något sätt ganska energiskt och temperamentsfullt, rena motsatsen till en del förare som försiktigt sniglar sig fram genom stan. Från förarhytten hörs musik, den spelas ganska högljutt faktiskt, och även den är energisk och temperamentsfull. Efter ett tag är Herr Mås nära att gå fram för att tipsa den unge mannen om musikens volym. Jag kan dock hejda honom, för jag tycker att alla har rätt till sin h-mollmässa.





"Durchlauchtigster Kurfürst, Gnädigster Herr, Eurer Königlichen Hoheit überreiche ich in tiefster Devotion gegenwärtige geringe Arbeit von derjenigen Wissenschaft, welche ich in der Musik erlangt, mit ganz untertänigster Bitte, Sie wollen dieselbe nicht nach der schlechten Komposition, sondern nach Dero Welt berühmten Güte mit gnädigsten Augen anzusehen und mich darbei in dero mächtigste Protektion zu nehmen geruhen... — ...unterhänigst-gehorsamster Knecht Johann Sebastian Bach."


Gestern waren wir im Konzerthaus und haben Bachs h-Moll-Messe gehört. Dieses Werk ist für mich irgendwie noch eindrucksvoller als seine großen Oratorien, denn es ist so unglaublich vielfältig, wie eine lange, lange Reise, vorbei an ganz unterschiedlichen Plätzen. Manchmal geht man barfuß auf spitzen Kieselsteinen ohne Schatten in der heißen Sonne, ganz und gar allein. Dann kommt plötzlich ein schmaler Bach mit einem sandigen Bett und mit Bäumen am Ufer, und jemand, der einen an die Hand nimmt. Und manchmal reitet man auf einem wilden Pferd, zusammen mit vielen anderen und das Herz hopst einem bald aus der Brust. Und die ganze Zeit ist da etwas in der Luft, über oder dicht neben einem, etwas unbegreifliches, etwas, das einem Kraft und Mut gibt...

Nach dem Konzert fahren wir mit der Straßenbahn nach Hause und weil die für Schwerbeschädigten markierten Plätze ganz vorne sind, sitzen wir wie immer ganz vorn. Die Bahn saust durch die dunkle Nacht, der Fahrer ist ein junger Mann mit dunklem Bart und er fährt sehr schwungvoll und energisch, obwohl es eine von den ganz alten Straßenbahnen ist. Aus seinem kleinen Kabuff ist ziemlich laute Musik zu hören und Herr Möwe will schon hingehen und ihn ein bisschen anschnauzen deswegen. Aber ich halte ihn fest und sage: "Lass ihn, ich finde, er fährt uns prima und außerdem hat jeder das Recht auf seine eigene h-Moll-Messe."


* * *

Die Musik, die er hörte? Ja, die finde ich eigentlich gar nicht so übel... Dass ich mal nähere Bekanntschaft mit ihr schließen durfte, verdanke ich meinem lieben Sohn. (...wie so manches andere. Ohne seine Metal-Begeisterung wäre ich zum Beispiel gar nicht hier im Norden gelandet... :-) Und also habe ich mir heute die fetten Kopfhörer aufgesetzt und höre nebenbei "heimlich" ein wenig System of a Down.


Hier sind meine Lieblingsstücke:





(Hier gibt es gleich eine ganze Sammlung ihrer besten Songs.)



Und vielleicht kann ich Herrn Möwe sogar davon überzeugen, 
dass das gar keine bösen Jungs sind. ;-) Der Frontmann hat
nämlich inzwischen eine Unterwassersinfonie geschrieben.


Mittwoch, 2. April 2014

Ach, du liebe ZEIT...



Med tiden kanske man vänjer sig vid tiden.

Kurt Tucholsky


Att slå ihjäl tiden, detta monster, är vår allra vanligaste och mest tillåtna sysselsättning.

Charles Baudelaire


Man förlorar mer tid när man försöker vinna tid.

John Steinbeck





Oh là là, ist tatsächlich schon wieder ein Vierteljahr rum, seit wir dort ein wenig verfroren auf der Brücke in Stockholm standen, um Katis Silvester-Schampus niederzumachen? Kaum zu fassen! Es kommt mir vor, als wäre das gestern erst gewesen... Andererseits hält man es manchmal kaum aus, mehr als 10 Minuten auf die Straßenbahn zu warten, denn da vergehen die Minuten irgendwie gar nicht.

Ja, überhaupt ZEIT. Etwas verdammt eigenartiges und nur schwer fassbares. Das ging mir auch gestern so durch den Kopf, als wir im Kino waren, um den neuen Film über Nelson Mandela zu gucken. All die vielen Jahre, während ich aufgewachsen bin, zur Schule und in die Lehre gegangen, während ich studiert habe, dann Mutter wurde und schließlich angefangen habe zu arbeiten, all diese ganze, furchtbar lange ZEIT saß dieser Mann im Gefängnis! Siebenundzwanzig Jahre! IMMER, so lange ich zurückdenken kann, hatten wir irgendwo ein Poster zu hängen "Freiheit für Nelson Mandela!" Und erst einen Monat, bevor ich dann nochmal Mutter wurde, kam er dann endlich, endlich frei.

Wie übersteht man so eine ZEIT, ohne die Hoffnung aufzugeben und ohne vollkommen voller Hass und dem Wunsch der Vergeltung zu sein? Auch das ist für mich unfassbar. Sie haben ihm das halbe Leben geklaut, er konnte seine Kinder nicht aufwachsen sehen und seine Frau war eine andere, als er wieder frei war - und er hat ihnen trotzdem vergeben?